Gedanken- zu Weihnachten, zum vergangenen Jahr

“Ich hoffe, Sie hatten nicht allzu viel vorweihnachtlichen Stress und konnten die Adventszeit einigermaßen genießen…“
So oder ähnlich fangen fast alle Newsletter an, die in den letzten Tagen postalisch oder per Mail in die Häuser geflattert sind. Und weil wir uns aus dem kollektiven Klagen nicht ganz heraus halten wollen, haben wir den Satz wenigstens als Zitat voran gestellt. Die Wahrheit ist, wir hatten keinen. Vielleicht früher, als wir noch nicht so abgeklärt waren ;-) , da haben wir uns davon anstecken lassen. Alles musste perfekt sein, die Kekse, der Baum, der Braten, die Frisur und die Kinder. Die Figur nicht zu vergessen, was in einer Zeit, in der der Handel bereits im Spätsommer mit weihnachtlichem Gebäck lockt, der Quadratur des Kreises gleichkommt.

Um das Maß vollzumachen, wurde kürzlich der Begriff „Stresstest“ zum Unwort des Jahres erklärt. Wir wagen hier einmal eine hellseherische Prognose: Es wird nicht lange dauern dass dieser gängige Begriff nicht nur für die Staatsfinanzen, sondern auch gleich noch für Weihnachten und den BMI benutzt wird.
Wahrscheinlich hat es viel mit unserer Erwartungshaltung zu tun.
Weihnachten gibt’s im Jahr nur einmal und deshalb muss alles stimmen. Wer sich davon aus welchen Gründen auch immer nicht befreien kann, der könnte es mit einem Sichtwechsel probieren.
Der Baum ist schief? Wie schön, er stammt ja auch nicht aus einem Genlabor. Die Kugeln mit den langen Schnüren kommen auf die nach unten geneigte Seite und damit endlich zur Geltung.
Die Kekse sind leicht angebrannt? Prima, dann fällt es leichter, sie nicht zu Hüftgold, sondern mit ein bisschen Goldpuder zur Tischdekoration zu verwandeln.
Der Braten ist trocken? Was für ein Glücksfall! Wir wollten schon immer die langweilige Routine durchbrechen. Er wird kleingehäckselt und mit Rosinen und Zimt zu ganz besonderen Fleischplätzchen in Sternform.
Die Figur hat seit September gelitten und wir passen nicht in unser Festtagsoutfit? Da gibt’s viele kreative Möglichkeiten: Ein langer Schlitz hineingeschlitzt gibt den Blick frei auf ungeahnt schöne Beine, die man ohne gar nicht gesehen hätte. Oder, falls der Partner immer Schwierigkeiten hat, ein passendes Geschenk zu finden, eine gemeinsame Einkaufstour hat schon so manche Beziehung belebt.

Und jetzt wollen wir Danke sagen für das letzte gemeinsam und stressfrei verdiskutierte Netzwerkjahr. Besonders danken wir für die gegenseitige Wertschätzung, die dieses Forum trotz gegensätzlicher Standpunkte zu einem wohltuenden Austausch macht.
Die großen Eckpunkte, Kennzeichnung von Lebensmitteln, Hamburgersteuer, EHEC und die Zulassung von Stevia fanden in diesem fachübergreifendem Gremium Resonanz aus ganz verschiedenen Denkrichtungen. Besonders freuen wir uns über den Widerhall, den der Film “Taste the Waste” hier ausgelöst hat und der zur Filmgala in Aachen mit einem vom jei unterstütztem Resteessen-Rezeptbuch gekrönt werden konnte: „Teller statt Tonne. Arme Ritter und Co nicht mehr ganz frisch auf den Tisch“.

Dieses Jahr war das Jahr, in dem Konstanze Moos auf Weltreise ging. Als sie es ankündigte, wollten wir es nicht recht glauben, weil wir uns das Jei ohne Konstanze nicht vorstellen mochten. Nicht verzagen, das nächste Jahr ist das Jahr, in dem sie wiederkommt. Darauf freuen wir uns alle sehr.
Genießt die Zeit!

(Text: Marianne Reiß)

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